Stuhlprobe statt Spiegelung

Bakterien erweisen sich als Indikatoren für Darmkrebs

Bakterien profilieren sich als Verräter von Darmkrebs: Finden sich im Darmtrakt des Menschen überdurchschnittlich viele Bakterien der Art Eubacterium ramulus, so sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Polypen als Vorstufe von Darmtumoren vorhanden. Das haben US-Forscher bei der Suche nach Zusammenhängen zwischen Darmkrebs und Darmflora entdeckt. Nach der medizinischen und mikrobiologischen Untersuchung von 91 Probanden haben sie auch einen Negativbeweis gefunden: Das Bakterium Ruminococcus ist in größerer Zahl nur bei Menschen ohne Polypen nachzuweisen. Die genaue Bestimmung der Zusammensetzung der individuellen Darmflora dürfte sich als eine Alternative zur Darmspiegelung darstellen.

In Deutschland erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. jedes Jahr 69.000 Menschen an Darmkrebs, 27.000 sterben an der Krankheit. Grund für die hohe Todesrate ist das langsame und unauffällige Wachstum der Tumoren: Darmkrebs wird häufig erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt. Als Diagnosemethoden dienen die Untersuchung des Stuhls auf Blut sowie die Darmspiegelung, die Vorstufen von bösartigen Tumoren ausfindig macht: die Polypen, gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut.

Mit der Forschung der Wissenschaftler um Tyler Culpepper von der University of Florida kündigt sich nun eine weit weniger aufwändige Polypen-Suche an: die Analyse von Stuhlproben auf die Konzentration bestimmter Bakterien. Einbezogen in die Untersuchung waren 91 Personen. Erhoben wurden Daten über ihre Ernährungsgewohnheiten und ihre Krankengeschichte. Zudem nahmen die Wissenschaftler Stuhlproben und Gewebeproben aus dem Darm. Für die Analyse der mikrobiologischen Zusammensetzung der Darmflora wurden drei gleich große Gruppen gebildet: Probanden mit mindestens einem Polypen sowie eine alters- und eine geschlechtsspezifisch zusammengesetzte Kontrollgruppe.

"Einige Bakterien treten deutlich häufiger bei Menschen mit Polypen auf, während bei ihnen andere Bakterien signifikant weniger nachweisbar sind", berichtet Culpepper. Drei der winzigen Organismen haben sich als verlässliche Sensoren für die Früherkennung erwiesen: Sind Wucherungen vorhanden, so ist auch die Konzentration des Bakteriums Eubacterium ramulus im Stuhl im Vergleich zum Durchschnitt sehr hoch. Sind dagegen keine Krebsvorstufen festzustellen, gedeiht das Bakterium Ruminococcus besser. Und finden sich in Gewebeproben eine hohe Anzahl des Bakteriums Acidovorax, so deutet dies ebenfalls auf Polypen hin.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sich ein nicht-invasiver Test für das Vorhandensein von Polypen entwickeln lässt, der Abweichungen in der mikrobiologischen Zusammensetzung der Darmflora zum Maßstab nimmt", erklärt Culpepper. Auch könnte eine spezielle Diät die Zusammensetzung der Darmflora steuern. Anerkannte Risikofaktoren für Darmkrebs sind Ernährungsgewohnheiten mit Bevorzugung tierischer Produkte, Alkohol und Übergewicht. Ungeklärt ist noch der Grund für die Konzentrationsschwankungen von Bakterien im Zusammenhang mit den Polypen.

Tyler Culpepper (University of Florida) et al.: 110. Fachtagung American Society for Microbiology

Text: wissenschaft.de / Bild: bilderbox.com